July 4, 2017

Kündigung während des Urlaubs bekommen – rechtens?

Ein Beitrag zum Zugang der Kündigung bei urlaubsbedingter Abwesenheit.

Da kommen Sie gerade aus dem dreiwöchigen Übersee-Urlaub mit Sonnenbrand und Co. zurück und ahnen nichts Böses. 

Da wartet bereits ein Brief des Arbeitgebers seit rund zwanzig Tagen im Briefkasten auf Sie, indem Ihnen für die gute Zusammenarbeit gedankt und für die Zukunft nur das Beste gewünscht wird.


Ist die Kündigung erst da, tickt die Uhr

Nachdem die gute Laune des Vitamin D dem Schock dieser Neuigkeit gewichen ist, geht es anschließend um die Frage: was nun?
Abhilfe schafft allein der § 4 S.1 Kündigungsschutzgesetz (KSchG). Danach muss der Gekündigte innerhalb von 3 Wochen ab Zugang der Kündigung Klage beim Arbeitsgericht erheben.
Nun schlummerte die Kündigung aber bereits seit 20 Tagen in ihrem Briefkasten. Wer rechnen kann, weiß, dass Ihnen nur noch ein Tag bliebe um gegen diese Kündigung vorzugehen. 
Es sei denn, die Dreiwochenfrist hätte erst später, zum Beispiel mit Ihrer Rückkehr aus dem Urlaub, begonnen.
Man könnte meinen, es widerspräche dem allgemeinen Gerechtigkeitsempfinden, wenn ihr Arbeitgeber ihre Abwesenheit dazu nutzen dürfte, Ihnen klangheimlich eine Kündigung unterzujubeln, um damit die Dreiwochenfrist auszulösen.


Drei Wochen ab Einwurf

Pustekuchen! Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass die Frist erst mit der tatsächlichen Kenntnisnahme zu laufen beginnt. Tatsächlich beginnt die Frist spätestens am Tag nachdem die Kündigung in den Briefkasten des Empfängers gelangt ist bzw. er unter gewöhnlichen Umständen davon Kenntnis nehmen konnte. 

Mit anderen Worten: ihr Chef darf Ihnen während des Urlaubs durch ein Schreiben an Ihre Wohnanschrift kündigen, auch wenn er weiß, dass Sie während dieser Zeit in einem thailändischen Inselresort an Ihrem Pineapple-Coconut-Shake schlürfen. 

Dies gilt zumindest für die Fälle, in denen Sie mit einer Kündigung rechnen mussten. Denn dann liegt es an Ihnen, dafür Sorge zu tragen, dass jemand daheim wichtige Briefe für Sie in Empfang nimmt. 
Etwas anderes kann dagegen für die Fälle gelten, in denen ihr Arbeitgeber Ihre genaue Urlaubsadresse kennt.


Der letzte Ausweg

Kommt die Kündigung dagegen völlig überraschend, kann Ihnen § 5 KSchG weiterhelfen. Können Sie dem Gericht glaubhaft machen, dass Sie die Fristversäumnis nicht zu verschulden haben, besteht die Möglichkeit, dass ihre Klage auch nachträglich zugelassen wird. 

Doch auch hier ist Vorsicht geboten: oftmals sind die Hürden dafür so hoch, dass man es nicht darauf ankommen lassen sollte.


BAG (7. Senat), Urteil vom 16.03.1988 - 7 AZR 587/87


von Pierre Koumou-Okandze

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