July 3, 2017

Muss ich trotz Krankheit zu einem Personalgespräch erscheinen?

Ein Beitrag über die Reichweite des arbeitgeberseitigen Direktionsrechts.

Stellen Sie sich vor Sie sind schon eine ganze Weile krank, weswegen Ihr Arbeitgeber Sie ins Büro bestellt um über Ihre Zukunft im Unternehmen zu plaudern. 

Sie bleiben allerdings stur, beharren auf Ihrer Krankheit und erscheinen nicht zum Personalgespräch. Als Konsequenz flattert ein Schreiben bei Ihnen ins Haus , in welchem Sie abgemahnt werden.

Darf Ihr Arbeitgeber das? Müssen Sie tatsächlich zu einem solchen Termin erscheinen, obwohl Sie eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorweisen können?


Der Chef bestimmt

Nun ja, grundsätzlich darf Ihr Arbeitgeber im Rahmen seines Direktionsrechts gem. § 106 Ge­wer­be­ord­nung (Ge­wO) so Einiges. Zum Beispiel kann er Ihnen Vorgaben machen hinsichtlich des In­halts, des Orts und der Zeit der Ar­beits­leis­tung.

Damit einher geht das Recht Ihres  Arbeitgebers, Sie zu ei­nem Per­so­nal­gespräch ein­zu­be­stel­len und  den Ort ei­nes sol­chen Gesprächs vor­zuge­ben.

Anderes muss aber dann gelten, wenn Sie  erkrankt sind. Dann überwiegen Ihre Interessen an der baldigen Genesung, weswegen weder eine Verpflichtung zur Führung eines Personalgesprächs im Betrieb besteht, noch von Ihnen ein zusätzliches Attest verlangt werden darf, dass Ihre Unfähigkeit am Personalgespräch teilzunehmen, belegen soll.

Wer krank ist, ist krank – und darf der Arbeit und damit auch Personalgesprächen fernbleiben, ohne in Gefahr zu geraten eine Abmahnung oder gar Kündigung zu bekommen.

BAG,  Urteil vom 02.11.2016  - 10 AZR 596/15


von Pierre Koumou-Okandze

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