July 4, 2017

Muss ich Vorschriften zur Arbeitsbekleidung befolgen?

Und wenn ja: wer kommt für die Kosten auf?

Viele junge Unternehmen werben in Ihren Stellenanzeigen mit der Freiheit, sich nach eigenem Geschmack kleiden zu dürfen.

Nicht nur Feelgood Manager wissen, dass die Toleranz gegenüber dem individuellen Kleidungsstil als Ausdruck von Selbstbestimmung, positiven Einfluss auf das Wohlbefinden und die Produktivität der Arbeitnehmer haben kann.

Dieses Glück wird allerdings nicht jedem zuteil. Strikte Dienstkleidung und einheitliches Auftreten sind für so manchen Arbeitnehmer Alltag. Gerade in alteingesessenen Unternehmen soll die Arbeitsklamotte eine spezifische Unternehmenskultur, bestimmte Wertvorstellungen oder Verhaltensnormen ausweisen.

 Ob es Sinn macht, sich der Vorschriften seines Arbeitgebers zu verschließen und doch die Camouflagejeans aus dem Schrank zu holen, hängt vordergründig davon ab, ob ihr Arbeitgeber ein berechtigtes Interesse daran hat, auf Ihre Bekleidung Einfluss zu nehmen.


Bankier in Streetlook

Stellen Sie sich vor, sie möchten ein neues Konto bei einer Bank eröffnen. Sie können sich sicher sein, dass der für Sie zuständige Mitarbeiter  Sie nicht im TShirt mit Batikstil-Muster und tarnfarbener ¾ Cargohose begrüßt, sondern höchstwahrscheinlich im schlichten Anzug.  Nicht nur,  weil der soeben beschriebene Modegeschmack Relikt aus den 2000ern ist, sondern auch gerade deshalb, weil Sie es sich zweimal überlegen würden, Ihr Geld und damit Ihre Lebensgrundlage bei einer Bank anzulegen, die nach außen wie ein pubertärer Teenie auftritt. Im Ergebnis dürfen Arbeitgeber also immer dann über die Arbeitskleidung bestimmen, wenn Mitarbeiter im direkten Kundenkontakt stehen.


Wer zahlt? 

Wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen aber schon gewisse Vorgaben bezüglich Ihrer Arbeitsklamotte machen darf, stellt sich im Anschluss natürlich die Frage, wer finanziert die Kochschürze, die Sicherheitsschuhe oder den Schlips? Werden die Kosten anteilig von Ihrem Gehalt abgezogen?

Neben dem seriösen Auftreten und der Förderung eines einheitlichen Unternehmensimages, soll bei gewissen Berufsgruppen die Arbeitskleidung den Arbeitnehmer gerade vor Gefahren schützen. In einem solchen Fall ist der Arbeitgeber verpflichtet nicht nur die Schutzkleidung kostenlos zur Verfügung zu stellen, sondern auch die Reinigungskosten zu übernehmen. 
Handelt es sich bei der Arbeitskleidung dagegen nicht um Schutzkleidung, wie zB weiße Kleidung in einem klinischen Umfeld oder Businesskleidung in einer Bank, müssen in den meisten Fällen die Arbeitnehmer blechen. 

Allerdings vereinbaren Arbeitgeber häufig eine anteilige Kostenübernahme, insbesondere dann, wenn die Berufsbekleidung durch Firmenbranding oder andere Kennzeichnung wenig alltagstauglich ist und somit nicht außerhalb der beruflichen Tätigkeit getragen werden kann.


von Pierre Koumou-Okandze

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